Unglaublich: neuer Modetrend -> Der Kampffisch im Goldfischglas
Von Rainer Stolte
Neulich war ich mal wieder bei meinem befreundetem Zierfischgroßhändler, um mich über die neuesten Verkaufszahlen für die „Zierfischhitliste" zu informieren. Das Gespräch verlief auch eigentlich wie immer und es sah aus, als wenn alles seinen altbekannten lauf nehmen würde. Platz Nr.1 ging , wie sollte es auch anders sein, an den roten Neon. Danach verteilten sich die Plätze 2-4 auf weitere allgemein bekannte Fische. Doch dann kam es, Platz 5 belegte der Kampffisch „Betta splendes" !! Wie ? Ich habe lieber nochmals nachgefragt, weil ich eigentlich dachte, ich hätte mich verhört. Denn Kampffische gehören eigentlich nicht in die absolute Verkaufshitliste. „Doch" verriet mir dann der Großhändler und ließ mich verdutzt stehen. Ich hatte versucht, mir selbst zu erklären, wie das kommen kann, doch ich kam zu keinem mir sinnigen Ergebnis.
Doch dann verriet mit der Großhändler den Grund. Wahrscheinlich hatte ihn mein doch so streng fragendes Gesicht erschreckt. „Ein neuer Trend in der Aquaristik..." erfuhr ich dann. Die Leute dort draußen haben das sogenannte Goldfischglas wiederentdeckt, nur das jetzt dort kein Goldfisch mehr rumschwimmt, sondern ein Kampffisch. Ein wenig bunten Kies, der ja mittlerweile in jedem Zoofachhandel zu bekommen ist, eine Plastikpflanze rein, ein bisschen Wasser und zum Schluß dann den Kampffisch.

Und da ein Kampffisch ja bekanntlich keine hohen Ansprüche an die Wasserqualität stellt und auch „atmosphärische" Luft atmet, seinen Sauerstoff also nicht über das Wasser sondern aus der Luft bezieht, reicht auch ein ca. 2 tägiger Teilwasserwechsel aus.
Unfassbar und bestürzt nahm ich diese Aussage ersteinmal auf und hakte auch sofort nach. Mich interessiert der Grund, warum manche Leute das einen Fisch antun. Aber diesen konnten wir als „blutechte" Aquarianer auch nicht herausfinden. Auch steht man ja als Großhändler immer zwischen zwei Stühlen. Verkaufst Du die Fische an den Handel, weiß man erstens nicht, welcher Händler die Fische so weiterreicht, da es ja auch zahlreiche seriöse Händler gibt. Und macht der eine Händler das Geschäft nicht, dann macht es eben ein anderer und so kann man diese tierunwürdige Haltung nicht unterbinden. Die Zielgruppe ist der Fachhandel, nur dieser kann ernsthaft diesen Verkauf unterbinden. Doch wahrscheinlich leben wir wohl in einer Welt, in der die schnelle Mark vor dem Tierschutz steht. So traurig es auch sein mag.
Ich hoffe nur, das viele Händler diesem Modetrend keine Chance geben und dem Käufer über diese fehlerhafte Haltung aufklären. Doch ob der vermeintliche Kunde Einsicht zeigt und nicht sofort in ein anderes Zoogeschäft läuft und dort dessen Wunsch erfüllt wird, dürfte äußerst fraglich sein.
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